Informationsveranstaltung „Ganztagsschule in Adendorf“

Die Grüne Fraktion des Gemeinderates Adendorf lud zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ein, um frühzeitig über die anstehenden Veränderungen durch den neuen Ganztagsschulerlass in Niedersachsen zu informieren. Ziel war es, Transparenz zu schaffen, Fragen zu beantworten und gemeinsam mit Eltern, Schule und weiteren Akteur*innen in den Austausch zu kommen.


Was wir als Grüne Fraktion wollen

Für uns steht fest, dass der Ganztag nur dann gelingt, wenn er gerecht, verlässlich und kindgerecht gestaltet wird. Konkret setzen wir uns ein für:

  • Bildungsgleichheit bereits in der Kita, damit alle Kinder mit vergleichbaren Voraussetzungen in die Schule starten. 
  • Ausreichend Personal für Mittagsbetreuung, Essensausgabe und Nachmittagsangebote. 
  • Zuverlässige Reinigung und gepflegte Lernorte, weil gute Bildung gute Rahmenbedingungen braucht. 
  • Ein offenes Ohr für Eltern, deren Perspektiven und Sorgen wir ernst nehmen. 
  • Eine enge Zusammenarbeit mit der Schulleitung, um Herausforderungen früh zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. 
  • Die Einbindung unserer eigenen Erfahrungen als Eltern in die politische Arbeit. 
  • Eine qualitativ hochwertige Grundschule in Adendorf, die Kindern gute Chancen und Familien Verlässlichkeit bietet.

Diese Haltung prägte auch die Veranstaltung und den Austausch mit allen Beteiligten.


Breite Beteiligung aus Schule, Elternschaft und Vereinen

Besonders bereichernd war die starke Beteiligung der Grundschule Adendorf: Die Schulleiterin, ihre Stellvertreterin sowie weitere Mitarbeitende nahmen teil und brachten ihre Perspektiven ein. Auch außerschulische Fachkräfte – etwa aus der Lerntherapie – sowie der Adendorfer Sportverein waren vertreten. Da der Ganztag Kooperationen ausdrücklich vorsieht, wurde dieser Austausch als besonders wertvoll wahrgenommen.

Mehrere Eltern, deren Kinder direkt von der Einführung des Ganztags betroffen sein werden, nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen und Sorgen einzubringen. Auch wenn wir uns eine noch größere Beteiligung gewünscht hätten, war der Dialog mit den anwesenden Eltern sehr konstruktiv und wichtig für die weitere Arbeit.


Einblicke in Schule, Alltag und Herausforderungen

Nach der Begrüßung durch Karl-Heinz Zcernikow erläuterte Jasmin Lange die Perspektive von Eltern und Schule. Sie stellte die Größe und Struktur der Grundschule Adendorf vor, beschrieb den aktuellen Schulalltag und die bestehenden Betreuungsangebote. Dabei wurde deutlich, dass Adendorf bereits heute viele Elemente einer Ganztagsschule erfüllt. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen – insbesondere im Bereich Personal, Organisation des Nachmittags und steigender Betreuungsbedarfe.


Der neue Ganztagsschulerlass – Einordnung durch Pascal Mennen

Pascal Mennen, schulpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, stellte die zentralen Inhalte des neuen Ganztagsschulerlasses vor. Er erläuterte:

  • den bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab Schuljahr 2026/27 
  • die Auswirkungen auf Schulen und Kommunen 
  • die geplanten Qualitätsstandards 
  • die Finanzierung durch das Land Niedersachsen 

Das Land erhöht den Bildungsetat um rund 3 Milliarden Euro auf insgesamt ca. 10 Milliarden Euro und schafft 1.000 zusätzliche Lehrer*innenstellen, um den Ausbau der Ganztagsschulen zu unterstützen. Gleichzeitig wurde offen angesprochen, dass Schulen in der Vergangenheit chronisch unterfinanziert waren – ein Zustand, den die aktuellen Investitionen zumindest teilweise beheben sollen, auch wenn alle wissen, dass da noch weitere Investitionen notwendig sein werden.


Planungen für Adendorf

Jasmin Lange erläuterte, wie die Gemeinde Adendorf die Umsetzung plant. Vorgesehen ist eine offene Ganztagsschule, bei der die Teilnahme am Nachmittagsangebot freiwillig, aber verlässlich organisiert ist. Geplant sind:

  • erweiterte Betreuungszeiten, 
  • ein Ausbau der Ferienbetreuung, 
  • Kooperationen mit Vereinen und externen Partnern, 
  • ein pädagogisch gestalteter Tagesablauf, der Lernen, Bewegung und individuelle Förderung verbindet.


Planungsstand zur Sanierung und Erweiterung der Grundschule Adendorf

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Frage nach der Zukunft des Schulstandortes. Bärbel Sasse gab einen ausführlichen Überblick über die lange und komplexe Historie der Planungen zur Sanierung bzw. zum Neubau der Grundschule Adendorf. Seit 2017 beschäftigt sich die Gemeinde mit der Frage, wie die Schule räumlich und baulich für die kommenden Jahrzehnte aufgestellt werden kann.


Rückblick auf die Planungsentwicklung seit 2017

  • 2017: Start des Schulentwicklungsbedarfskonzeptes
  • 2018: Empfehlung, Umbau und Neubauvarianten detailliert zu prüfen
  • 2020: Erste Entwürfe für Umbau und Neubau
  • 2021: Einstimmige Empfehlung für einen Neubau
  • 2022–2024: Verzögerte Grundstücksverhandlungen 
  • Ende 2024: Politische Deadline 
  • Anfang 2025: Entscheidung für den Standort Weinbergsweg 
  • 2025–2026: Prüfung einer fünf- bis sechszügigen Schule – Ergebnis positiv


Aktueller Planungsstand (Stand 2026)

  • Erweiterungsbau mit acht neuen Unterrichts- und Gruppenräumen 
  • Sanierung und Erweiterung der bestehenden Gebäudetrakte 
  • Neue 3‑Feld‑Sporthalle auf dem hinteren Gelände 
  • Ein Standort für alle Kinder – künftig ausschließlich am Weinbergsweg 
  • Abgestimmte Planung mit Schulleitung und Schulbehörde


Erste Bewertung der Grünen Fraktion

Die ersten Entwürfe wirken durchdacht und funktional. Kompromisse waren notwendig, aber das Konzept erfüllt die Anforderungen einer modernen Ganztagsschule. Wir setzen uns dafür ein, dass die Pläne zeitnah im öffentlichen Schulausschuss vorgestellt werden.


Warum ein Standort sinnvoll ist

Die Schulleitung und das Kollegium sprechen sich klar für einen einzigen Standort aus. Der Betrieb an zwei getrennten Standorten bindet Ressourcen und erschwert pädagogische Abläufe. Die Dorfschule ist baulich nicht mehr zeitgemäß. Ein gemeinsamer Standort ermöglicht bessere Ganztagsangebote und effizientere Strukturen.


Bauablauf und Auswirkungen auf den Schulbetrieb

  • Bau der neuen Sporthalle 
  • Abriss der alten Halle 
  • Errichtung des Erweiterungsbaus 
  • Sanierung der alten Unterrichtstrakte 
  • Umzug der Dorfschule erst nach Fertigstellung – ohne Unterrichtscontainer 
  • Ausnahme: 2026/27 einmalige sechszügige Einschulung, dafür Container notwendig


Verkehrsführung und Sicherheit

Diskutiert wurden:

  • sichere Wege für Rad- und Fußverkehr 
  • klare Regeln für Elterntaxis 
  • Schulbuskonzepte 
  • eine Kiss‑and‑Ride‑Zone ohne Elternparkplätze 


Kosten und Finanzierung

Noch keine belastbaren Angaben; Informationen folgen im Schulausschuss.


Transparenz und Beteiligung

Der nächste Schulausschuss wurde verschoben. Die Grüne Fraktion fordert eine regelmäßige öffentliche Berichterstattung, da Eltern und Schule ein berechtigtes Interesse  an den aktuellen Planungen zum künftigen Schulstandort haben.


Fragen aus dem Publikum

Die Fragerunde zeigte, wie groß der Informationsbedarf ist. Die wichtigsten Fragen betrafen:

  • individuelle Förderung 
  • Umgang mit Neurodiversität
  • zusätzliche Klassenassistenzen 
  • logopädische und therapeutische Angebote 
  • Kooperationen mit Sportvereinen 
  • Finanzierung des Ganztags 


Antworten und Einordnungen

  • Adendorf erfüllt bereits viele Elemente einer Ganztagsschule. 
  • Betreuungszeiten und Ferienbetreuung werden erweitert. 
  • Personalschlüssel aktuell 1:26. 
  • Land investiert massiv in Personal und Ausstattung. 
  • Kooperationen mit Vereinen ausdrücklich erwünscht. 
  • Kultusministerium bietet umfangreiches FAQ.


Abschluss

Karl-Heinz Zcernikow dankte allen Gästen für den sachlichen und konstruktiven Austausch. Die Veranstaltung machte deutlich: Die Einführung der Ganztagsschule bringt Veränderungen, aber vor allem Chancen. Entscheidend wird sein, den Prozess gemeinsam, transparent und im engen Austausch mit Eltern, Schule und Fachkräften zu gestalten.


Zusatzinfo: Ganztagsschulerlass Niedersachsen

Der Erlass „Die Arbeit in der Ganztagsschule – ein pädagogisch-rechtlicher Rahmen für alle Schulformen“ legt fest:

  • Ganztag ist ein pädagogisches Bildungs- und Betreuungsangebot. 
  • Schulen können offene, teilgebundene oder gebundene Formen anbieten. 
  • Kooperationen mit Vereinen, Musikschulen, Jugendhilfe und Kultur sind ausdrücklich erwünscht. 
  • Qualitätsstandards umfassen qualifiziertes Personal, Rhythmisierung, Beteiligung der Eltern und regelmäßige Evaluation. 
  • Kommunen und Schulen tragen gemeinsam Verantwortung für Räume, Ausstattung und Betreuung.


Vollständiger Erlass:

https://www.mk.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/aktuelleerlasseund_gesetze/die-arbeit-in-der-ganztagsschule-ein-padagogisch-rechtlicher-rahmen-fur-alle-schulformen-247985.html


Zusatzinfo: Rechtsanspruch & Ferienbetreuung

Der bundesweite Rechtsanspruch umfasst:

  • 8 Stunden Betreuung täglich, inklusive Unterricht 
  • an allen Werktagen, auch in den Schulferien 
  • Ausnahme: begrenzte Schließzeit (typisch bis zu 4 Wochen pro Jahr)
    Niedersachsen übernimmt diese Vorgaben und ersetzt die bisherige Hort-Ferienbetreuung durch ein verlässliches schulisches Ganztagsangebot.


FAQ des Bildungsportals: 

https://bildungsportal-niedersachsen.de/ganztag/grundlagen-ganztagsschule/rechtsanspruch-auf-ganztagsschule-fuer-kinder-im-grundschulalter

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