Endlich ist es soweit: Der Bahnhaltepunkt Adendorf wird am 01.05.2026 um 5.35 Uhr eröffnet.

Bahnhaltepunkt Adendorf in Bau

Der Weg dorthin war lang und von vielen Etappen geprägt. Bereits vor rund 35 Jahren haben wir Grünen in unserem ersten Adendorfer Wahlprogramm das Ziel eines Bahnhaltepunktes formuliert. Als damals kleine Fraktion konnten wir die Umsetzung zwar noch nicht vorantreiben, aber wir haben einen wichtigen Impuls gesetzt – zu einer Zeit, in der es weder vom Land Niedersachsen noch vom Bund Rückenwind gab.

Später griff der ehrenamtliche Bürgermeister Rainer Stoephasius die Idee auf, konnte sie jedoch leider nicht realisieren.
In den darauffolgenden Jahren beschäftigte sich auch die vom Umweltbeauftragten geleitete Arbeitsgemeinschaft (AG) Umwelt intensiv mit möglichen Standorten. Aufgrund der nahezu straßengleichen Höhenlage der Gleise an der Unterführung zwischen den Straßen „An der Bahn“ und „Waldwinkel“ wurde dieser Bereich – insbesondere die Seite „An der Bahn“ – als besonders geeignet angesehen: gut erreichbar aus der Ortsmitte und mit vergleichsweise geringem baulichem Aufwand. Diese Überlegungen überzeugten auch unsere Grüne Fraktion.

Im September 2009 stellte die Verwaltung unter Bürgermeister Pritzlaff (SPD) zur Diskussion, ob der Bahnhaltepunkt weiterhin als mittelfristiges Ziel im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) verbleiben solle. In der anschließenden Ausschussdebatte wurde dies kontrovers diskutiert. Aussagen zweier SPD-Ratsherren aus dem damaligen Protokoll:
„RH … sprach sich dagegen aus, den Punkt im RROP zu belassen. Das Ziel sei es, den Personennahverkehr zu unterstützen. Die Verbesserung des Busangebotes sei vorrangig.“
„RH … erwähnte, dass sich ein Bahnhaltepunkt eher für einen Ort wie Echem lohnt. Für die Gemeinde Adendorf sehe er keinen Anlass für einen Bahnhaltepunkt, weil die Anwohner genauso schnell mit dem Fahrrad beim Bahnhof Lüneburg seien. Die Buslinie würde in Zukunft verbessert werden und das sei ausreichend.“

Der damalige Umweltbeauftragte, Herr Marzinowski, gab zu bedenken, dass es später schwierig werden könnte, diesen Punkt erneut im RROP zu verankern.
Unsere Fraktionsvorsitzende Bärbel Sasse setzte sich deutlich für den Verbleib des Bahnhaltepunktes im RROP ein. Letztlich gab es mit 3 Ja-Stimmen (1 B90/Grüne, 2 CDU), 1 Nein-Stimme und 3 Enthaltungen keine Mehrheit für die Herausnahme – ein entscheidender Schritt.

Mit der Wahl von Bürgermeister Maack im Jahr 2011 änderte sich auch die Haltung der SPD-Fraktion glücklicherweise zugunsten des Projekts. 2013 wandte sich der Bürgermeister mit einer Projektbeschreibung an das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. 2015 bestätigte die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) den gesamtwirtschaftlichen Nutzen einer Reaktivierung – der Startschuss für die konkreteren Planungen.

Im Februar 2017 folgte der politische Beschluss zur Vergabe erster Planungsleistungen, im Mai 2017 wurde die Planbegleitvereinbarung zwischen DB Station & Service, DB Netz AG und der Gemeinde geschlossen. Mit dem Ratsbeschluss im August 2018 wurde die Wiedereinrichtung des Haltepunktes sowie der Standort (Variante 4) festgelegt. Dieser liegt in der Straße „An der Bahn“, weiter in Richtung Dorfstraße. Zwar ist dieser Standort aufgrund der steilen Böschung deutlich aufwendiger umzusetzen, dennoch wurde er letztlich von uns Grünen mitgetragen, um das Gesamtprojekt nicht zu gefährden – auch wenn wir Grünen weiterhin die auch vom Verkehrsplaner empfohlene Variante nahe der Unterführung bevorzugt hätten.

Zwischen 2019 und 2021 wurden die Entwurfsplanungen (Leistungsphasen 3 und 4) erarbeitet. Im März 2022 wurden die Unterlagen zur Planfeststellung beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Anschließend übernahm DB Station & Service die weiteren Planungen sowie die Ausschreibungen für die Bauausführung.

Zwischenzeitlich bestand die Hoffnung, den Bahnhaltepunkt bereits Ende 2024 eröffnen zu können. Nachdem es zu Verzögerungen kam, wandte sich unsere Fraktionsvorsitzende Bärbel Sasse an den Grünen Landtagsabgeordneten und verkehrspolitischen Sprecher Detlev Schulz-Hendel mit der Bitte, die Gründe zu klären. Dieser stand im engen Austausch mit der LNVG und erhielt folgende Auskunft:

„In Verbindung mit einer leichten Planungsverzögerung von wenigen Monaten haben sich die Projektbeteiligten darauf verständigt, den Baubeginn auf den Herbst 2024 zu verlegen, um einen realistischen Zeitplan zu erhalten.“

Dennoch kam es zu weiteren Verzögerungen – bis schließlich neue Dynamik entstand: Im Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover, die am 1. Mai beginnen, wird der Haltepunkt Adendorf als provisorischer Ersatz benötigt, da der Bahnhof Lüneburg zeitweise nicht angefahren werden kann.

Umso mehr freuen wir uns, dass am 1. Mai 2026 erstmals seit 1979 wieder ein Personenzug in Adendorf hält. Auch wenn zunächst keine direkte Verbindung nach Lüneburg besteht, eröffnen sich insbesondere in Richtung Norden neue Möglichkeiten.

Dieses Projekt ist das Ergebnis langjähriger gemeinsamer Anstrengungen vieler Beteiligter und Fraktionen im Adendorfer Gemeinderat. Kritisch anzumerken bleibt, dass die ABAE in der vergangenen Ratsperiode die Bereitstellung notwendiger Planungsmittel verweigert hat – ohne diese Gelder wäre das Projekt nicht weiter vorangekommen.

Umso wichtiger ist es, die Eröffnung als gemeinsamen Erfolg zu würdigen. Eine einseitige Vereinnahmung wird der langen und vielfältigen Geschichte dieses Vorhabens nicht gerecht.

Lassen Sie uns diesen Meilenstein gemeinsam feiern!!

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